Spruchinschriften in Bobenhausen II

 

Haussprüche waren fast ein halbes Jahrtausend lang ein Brauch, dem sich kaum ein Hausbauer entziehen konnte. Neben dem Hausspruch gibt es auch andere Arten von Hausinschriften. So enthalten Bauinschriften und Bausprüche Angaben zum Bau bzw. kommentieren diesen. Zur Hausinschrift gehören auch die Zeichen und Symbole.

 

Der Hausspruch hatte dekorativen Charakter, da er regelmäßig an einer von der Straße gut sichtbaren Stelle der Hausfassade angebracht wurde. Absicht war es, den Betrachter zum Lesen zu bewegen und über den Spruch nachzudenken. Der Hausspruch ist aber vor allem ein persönliches Bekenntnis, bei dem der Verfasser anderen seine Lebensdevise und seine Lebenserfahrung mitteilt. Ein versteckter Zweck der Hausinschrift bestand auch darin, das Gebäude und seinen Besitzer oder Erbauer zu würdigen.

 

So wurden in der Bauinschrift neben dem Baujahr sehr oft der Name des Hauserbauers und seiner Ehefrau genannt. In Haussprüchen fanden auch besondere Ereignisse, wie Kriege, Hungersnöte, Überschwemmungen, Brände und Seuchen, ihren Niederschlag. Es überwiegen jedoch die Sprüche mit religiösen Charakter, die eine tiefe Gläubigkeit und Gottergebenheit der Bewohner ausdrücken.

 

Ausführliche Informatione erhalten Sie bei Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hausspruch

 

In Bobenhausen finden wir noch relativ viele Haussprüche, die in Folge alle aufgeführt werden.

Hinter dem Strassennamen sind die Dorf- oder auch Hausnamen aufgeführt.

Hoherodskopfstrasse 19 – Bachmerkel - Auotolui

 

Dieser bau steht in Gottes Hand, bewahr ihn vor Feuer und für brant.

Der bau Herr ist Johann Peter Behr und seine Ehel. Hausfrau Anna Warbara. Der Meister ist Konrad Rihl von Stombertrot. Dieser bau ist erhoben worden im Jahr 1787 den 17. April.

Hoherodskopfstrasse 24 – Hoase - Hoasemäsesch

 

Tu mich lesen, ein altes Haus BIN ICH GEWESEN MAN HAT MICH ABER SEHR BETRACHT UND HAT MICH WIEDER NEU GEMACHT. DIESES HAUS STEHT IN GOTTES HAND ER BEWAHR IN VOR FEUER UND VOR BRAND.

Hoherodskopfstrasse 27 - Wenzel -

 

Die Hausinschrift  als Fotomontage, von oben nach unten ist von rechts nach links.

Wer kann den Sinn oder die Bedeutung der rot hervorgehobenen Wörter deuten?

 

Hoherodskopfstrasse 33 - Eckerts

Spruch unter Verkleidung nicht mehr sichtbar

 

WIR BAUEN ALLE HIER UND SIND VOM FROMMEN GOTT.

DOCH BAUEN WIR AUF EITLEN SCHEIN, SO BAUEN WIR GAR WENIG EIN

Hoherodskopfstrasse 35 – Kendfraas

 

DIESER BAU HAT ERNEUERT DURCH DIE HILFE GOTTES

JOH. FRITZ + SEINE FRAU ANNA CATHARINA IM JAHRE

1808   MEIN FREUND GEH NICHT VORBEY ICH HAB DIER WAS ZU SAGEN  ICH WAR EIN ALTES HAUS NICHT LANG

VOR WENIG TAGEN MEIN HERR DROHT MIR DEN TODT;

ICH MUSST IHN WIRGLICH LEIDEN UND SCHON IM MONAT MÄRTZ VON MEINEM PLATZ ABSCHEIDEN; EIN MONAT WAR ICH TODT UND LAG AUCH GANTZ ZERSTREUT BIS MAN IM MONAT MAY MICH WIEDER HAT ERNEUT;

DER ZIMMERMEISTER IST GEWESEN DANIEL MARTIN VON OBERSEIBERTENROTH IST ERHOBEN 19. MAY  1808

Hoherodskopfstrasse 43 - Dokteschhaus

 

WER BAUT AN DIE STRASE DER MUS SICH VON VIELEN FEITZIEREN LASEN ES BAUT EIN ITWER UMS SEHN GELT UND BAUT WIES IM GEFELLT WER GOTTVER TRAUT HAT WOHL GEBAUT IM HEIMEL UND AUF ERDTEN WER SICH VER LEST AUF IESEM CHRIST DEM SOL DER HEIMEL WERDEN CONRAD SCHOTT MDLXXXV. (1585)

 

Auf einem Schriftbalken findet man die Jahreszahl 1635.

Weiterhin sind Schnitzereien  auf dem Balken zu finden wie  „Auszug aus Ägypten“ und am Giebel das „Auge Gottes“

Hoherodskopfstrasse 47 – Wäwesch – Seligmann - Hannches

 

JOHANN CONRAD ROTH UND ELISABETHA DESEN HAUS FRAU DIESE BEIDE HABEN DAS HAUS ERBAUT IM JAHR DES HERN CHRISTI ANNO 1757 UND IST ZIMMER MAN GEWESEN

PETER MÜLLER VON GROSEN EICHEN AN GOTTES SEGEN IST ALLES GELEGEN

Hoherodskopfstrasse 52 - Balsesch

 

Auf dem Balken über dem Scheunenanbau steht dieser Hausspruch:

 

SCHAU MICH AN UND TU MICH LESEN; EIN ALTER BAU BIN ICH GEWESEN; MAN HAT MICH ABER RECHT BETRACHT UND HAT MICH WIEDER NEU GEMACHT. DER BAU HERR

WAR CONRAD LIPP LIUTNANNT DESSEN EHEFRAU WAR ANNA MARIE. DER ZIMMERMANN WAR JOHANN CASPAR ZUGSCHWERT VON SELLNROD. MAN HAT MICH AUFGESTELLT ANNO MAI 1816.

 

Hoherodskopfstrasse 55 - Kellech

 

Das Haus stand vorher auf dem Wiesenhof, wo es zerlegt wurde, um es in Bobenhausen wieder aufzubauen. Dies geht deutlich aus dem Hausspruch hervor.

 

MEIN FREUND GEH NICHT VORBEI ICH WAR EIN ALTES HAUS NICHT LANG VOR WENIG TAGEN. EIN MONAT LANG LAG ICH TOD, LAG HIN UND HER VERSTREUT, BIS MAN IM MONAT JUNI MICH WIEDER HAT ERNEUT:

DIESER BAU IST ERBAUT DURCH DIE HILFE GOTTES. DER BAUHERR WAR ECKARD GRAULICH UND DESSEN EHEFRAU

KATHARINA GEB. STURTZ. DER ZIMMERMEISTER WAR HEINRICH FUNK VON HÖCKERSDORF. DIESER BAU WAR FIX UND FERTIG AUFGESTELLT DEN 9 TEN JUNI 1831.  SOLI DEO GLORIA 

wörtlich „dem alleinigen Gott die Ehre“, deutsch meist mit „Gott allein [sei] die Ehre“ wiedergegeben.

 

WER WILL BAUEN AN GASSEN UND STRAßEN, DER MUß EINEN JEDEN KÖNNEN REDEN LASSEN, ICH HAB GEBAUT NACH MEINEM SINN, WEM´S GEFÄLLT, GEH IMMER HIN.

Hoherodskopfstrasse 59 - Baums

 

WER GOTT VERTRUT, HAT WOHL GEBAUT IM HIMMEL UND AUF ERDEN , WER SICH VERLÄSST AUF JESUM CHRIST DEM MUSS DER HIMMEL WERDEN: ANNO DOMINI 1871 – 74 .

DER BAUHERR WAR KONRAD STUERZ UND SEINE EHEFRAU ANNA MARIA HOFMANN

Hoherodskopfstrasse 71 - Linde Kall

 

VOR FEUER UND VOR BRAND; BEWAHR UNS GOTTES STARKE HAND ; ER HILFT AUS NOT UND TEUER ZEIT ; GOTTES LIEB IN EWIGKEIT 

 

Laut Denkmalbehörde ist eine angebliche Jahreszahl (?) in der Stockschwelleninschrift falsch. Die Bauzeit müsste um 1660 gewesen sein.

Hoherodskopfstrasse 77 - Schächehaus

 

GLEICH WIE DAS REGENWASSER DAS VON DEN DÄCHERN FLIEST; UND OB SIE GLEICH NEIDEN; SO MÜSSEN SIE DOCH LEIDEN; DASS GOTT MEIN HELFER IST. BAUMEISTER GEORG HEINRICH KERN UND JOHANNES FINK:

 

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© Werner Roth