Evangelische Kirche St. Gangolf

Von UuMUfQ - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26266703

Die Kirche, auf einer kleinen Anhöhe erbaut, überragt das ganze Dorf. Ihr massiver Turm ist das Wahrzeichen, nach dem man sich im Tal zurechtfindet.

Die einschiffige Saalkirche von 1765 im Stil des Rokoko hat einen spätromanischen Westturm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit wehrhaftem Charakter.

 

 Die Erbauungszeit des Kirchturms fällt nach Angaben von Denkmalpfleger Prof. Walbe ins 11. Jahrhundert. Der Turm zeigt das Gepräge einer Wehrkirche, die auf freier Höhe errichtet wurde.

Deutlich sind noch einige Schießscharten und der Ansatz eines Wehrganges sichtbar.

 

 

 

 

Geschichte

 

Die mittelalterliche Kirche wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Sie war dem heiligen Gangolf geweiht und Mutterkirche eines Kirchspiels. Eine Abbildung aus dem Jahr 1591 von Wilhelm Dilich zeigt sie mit einem kreuzförmigen Grundriss. Mit Einführung der Reformation wechselte die Kirchengemeinde zum evangelischen Bekenntnis. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhielt der Westturm seinen heutigen Spitzhelm.

 

Nach einem Brand bis auf die Grundmauern im Jahr 1760 wurde der Abriss der Kirche erforderlich. Als von 1762 bis 1765 unter der Leitung von Lorenz Friedrich Müller das Kirchenschiff neu gebaut wurde, blieb der Kirchturm erhalten. Im Rahmen des Kirchenneubaus erhielt der alte Turm 1763 ein neues Portal. Im Jahr 1907 wurden das Walmdach und die Kirchendecke erneuert.

 

Die Kirchengemeinde erstreckt sich heute über die fünf Ortschaften Bobenhausen, Höckersdorf, Kölzenhain, Ober-Seibertenrod und Wohnfeld, die teils über eigene Kirchen verfügen. Sie gehört zum Evangelischen Dekanat Schotten in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

 

 

Wegmann-Orgel (1775) Von UuMUfQ - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47015887

Architektur

 

Die geostete Kirche ist am nördlichen Ortsrand erhöht errichtet. Sie ist weiß verputzt; nur die Gewände und Eckgliederung aus rotem Sandstein sind ausgespart. Das Gotteshaus besteht aus zwei Baukörpern, dem mittelalterlichen Turm und dem Kirchenschiff aus den 1760er Jahren.

Entsprechend der führenden Rolle der Kirche im Kirchspiel wurde eine große und repräsentative Kirche errichtet.

Der ungegliederte, gedrungene Kirchturm mit Eckquaderung aus Lungstein ist in die Kirche eingebunden. Das erste Obergeschoss hat an jeder Seite ein kleines Schlitzfenster. Das zweite Obergeschoss hat unter der Traufe kleine spitzbogige Luken. Der steile Helmaufbau aus spätgotischer Zeit ist vollständig verschiefert. Dem Spitzhelm sind vier prägende Gauben mit Dreiecksgiebel aufgesetzt. Er wird von Turmknauf, einem schmiedeeisernen Kreuz und einem vergoldeten Wetterhahn bekrönt.

Das Westportal von 1763 ist ähnlich wie das Südportal gestaltet, aber ohne Wappen. Neben dem Portal ist der Rest eines Weihwasserbeckens erhalten. Die Turmhalle hat ein Tonnengewölbe und dient als Eingangsbereich. Sie ist durch eine zweiflügelige Türe mit verglastem Oberteil mit dem Schiff verbunden.

Der große Saalbau auf rechteckigem Grundriss mit abgeschrägten Ecken ist durch eine zweigeschossige Fensteranordnung fünfachsig gegliedert. Die Segmentbogenfenster haben Schlusssteine. Portale mit reich profilierten Gewänden an den beiden Langseiten erschließen das Kirchenschiff. Die rechteckigen Portale haben vergrößerte Ecken und Schlusssteine, von denen der im Südportal mit der Jahreszahl 1762 bezeichnet ist.

Das Südportal hat zusätzlich einen gesprengten Giebel mit dem Wappen von Hessen-Darmstadt, das von zwei Löwen gehalten und außen von zwei geflügelten Engelköpfen flankiert wird.

Das Schiff wird von einem hohen, geschieferten Mansarddach bedeckt, dem an jeder Seite zwei kleine Gauben aufgesetzt sind.

Ein Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs wird aus drei Stelen vor der Südseite der Kirche gebildet.

 

By UuMUfQ - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46962657

Innenausstattung

 

Die Voutendecke mit Mittelspiegel wird durch profilierte Stuckleisten gegliedert. Die längsgerichtete Raumaufteilung ist symmetrisch angeordnet. Es wurden dreiseitig umlaufende Emporen eingebaut, die auf Säulen ruhen.

An der östlichen Seite trägt eine freistehende Orgelempore die Kanzel.

Die Ostempore ruht auf einer Mittelstütze zwischen zwei großen Stichbögen mit Kämpfern. Die Kanzel ist von hinten zugänglich. Kanzel und Schalldeckel sind mit Ornamenten im Stil des Spätbarock verziert. Der polygonale Schalldeckel, der mit der Empore verschmilzt, wird von Vasen und einer Volutenkrone bekrönt. Davor steht der Blockaltar mit Sandsteinplatte frei im Raum.

An den Emporenbrüstungen sind 48 Ölgemälde auf Leinwand von Daniel Hisgen angebracht. Sie zeigen vor der Orgel die vier Evangelisten und zwölf Apostel und an den anderen Emporen einen Bilderzyklus mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament von der Erschaffung der Welt bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes. Die geschwungenen Wangen des Kirchengestühls, das einen Mittelgang freilässt, haben flachgeschnitzten Akanthus und Kartuschen sowie aufgesetzte Kugeln.

 

Alle 48 Gemälde von Daniel Hilsgen finden Sie bei Wikimedia Commons: "Gemälde in der Kirche Bobenhausen II"

 

 

Von Wikiwal - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46281276

Orgel

 

Die Rokokoorgel baute Philipp Ernst Wegmann 1774/1775, nachdem er seine vertraglichen Vereinbarungen von 1766 und 1771 nicht eingehalten hatte. Vier zunächst ausgesparte Register wurden 1778 durch Wegmanns Meistergesellen Johann Gottfried Meynecke ergänzt.

Johann Georg Förster reparierte die Orgel im Jahr 1844 und reinigte die Zungenstimmen, die später entfernt wurden. Förster & Nicolaus Orgelbau renovierten die Orgel 1925.

Im Jahr 1961 überholten Emanuel Kemper & Sohn aus Lübeck das Instrument und tauschten zwei Register aus. Bei einer weiteren Restaurierung von 1979 bis 1982 durch Gerald Wöhrl wurde der ursprüngliche Zustand wieder angenähert. In diesem Zuge wurden sechs verlorene Register ersetzt.

 

Die Orgel verfügt über 21 Register und gehört zu den wenigen historischen zweimanualigen Instrumenten in der Orgellandschaft Hessen, die weitgehend erhalten sind. Der Prospekt ist siebenachsig gegliedert.

 

Eine genauere Beschreibung der Orgel finden Sie in der "Orgeldatenbank".

 

Hinweise auf die Bobenhäuser Kirche in Archiven

Die Ergebnisse meiner Suche bei "Arcinsys", dem Archivinformationssystem des Hessischen Landesarchivs und weiterer hessischer Archive, habe ich die folgenden Hinweise zur Kirche in Bobenhausen II  gefunden.

In diesem Archiv kann Jedermann nach Aktentitel, Urkundenregesten, Informationen über Archivalien  und nach Kontaktdaten und Bestände der Archive recherchieren.

 

https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/start.action

 

verz3977452
Signatur: HStAD, E 5 C (alt), NACHWEIS
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Pfarrzehnte zu Bobenhausen II, das Mohrenzehntlein genannt
Laufzeit: 1583-1607

 

verz3108204
Signatur: HStAD, G 15 Alsfeld, K 922
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Baulicher Zustand des Konfirmandenbaues zu Bobenhausen II
Laufzeit: 1908-1912

 

verz1042930
Signatur: HStAD, G 15 Alsfeld, K 921
Beschreibungsmodell: Sachakte
Serientitel: Kirchliches Bauwesen in den einzelnen Gemeinden Bobenhausen II Pfarrhofreite
Titel: Bobenhausen II, Pfarrhofraite
Laufzeit: 1841-1928

 

verz2138590
Signatur: HStAD, G 15 Schotten, K 250
Beschreibungsmodell: Sachakte
Serientitel: Bau und Unterhaltung der Pfarr- und Kirchengebäude
Titel: Bobenhausen II (Pfarrgebäude)
Laufzeit: 1828-1905

 

verz4087821
Signatur: HStAD, P 11, 1101
Beschreibungsmodell: Karte / Plan
Titel: Grundriss, Längs- und Querschnitt sowie Deckenuntersicht zur Erneuerung des Dachstuhls der Kirche zu Bobenhausen II

Datierung: 1898-12-02
Originaldatierung: Schotten, 2.12.1898
Originaltitel: Kirche zu Bobenhausen; Erneuerung des Dachstuhles
Inhaltliche Beschreibung: Konstruktionsdetails und Gesamtansicht 1:100
Sonstige Behördensignaturen: G 15 Alsfeld K 921
(Vor-) Provenienzen: Hessen, Kreisamt Alsfeld
Urheber: [Wilhelm] Endres, Kreisbauinspektor
Format: 52 x 68 cm
Maßstab: 1:100
Ausführung: Karton, Tuschezeichnung
Blattzahl: 1
Deskriptoren: Endres, Wilhelm

 

verz1092892
Signatur: HStAD, E 5 C (alt), NACHWEIS
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Wiederaufbau der Kirche zu Bobenhausen II und die dazu verwilligten Kollekten und Beiträge aus den Kirchenkästen

Laufzeit: 1749-1790

 

verz4309618
Signatur: HStAD, O 59 Lange, 125
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Gutachten und Bauten - 2. Mappe
Laufzeit: 1968-1971

(Vor-) Provenienzen: Nachlaß Bodo Lange (AZB 12/93)

Enthält (u.a.): Kirche in Bobenhausen II

Deskriptoren: Bobenhausen II:Kirche

 

verz1563056
Signatur: HStAD, G 15 Schotten, K 130
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Rechnungswesen der Kirche Bobenhausen II
Laufzeit: 1856-1892

 

verz1498386
Signatur: HStAD, H 2 Buedingen, 4284
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Beschaffung von Kirchenglocken und Glockenseilen für die Kirche zu Bobenhausen
Laufzeit: 1949
Deskriptoren: Bobenhausen:Kirche:Glocken

 

verz5371165
Signatur: HStAD, G 15 Buedingen, K 729
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Betstunde zu Bobenhausen und Bellmuth und Bitte des Ortsvorstands zu...
Laufzeit: 1879-1894
Enthält (u.a.): Lektorendienst zu Bobenhausen und Bellmuth
Deskriptoren: Bobenhausen:Kirche:Lesegottesdienst
Deskriptoren: Bobenhausen:Kirche:Lektoren

 

verz2140327
Signatur: HStAD, G 15 Alsfeld, K 920
Beschreibungsmodell: Sachakte
Serientitel: Kirchliches Bauwesen in den einzelnen Gemeinden: Bobenhausen II,

KircheTitel: Bobenhausen II, Kirche
Laufzeit: 1894-1928

 

verz2583552
Signatur: HStAD, G 15 Schotten, K 129
Beschreibungsmodell: Sachakte
Serientitel: Verwaltung der Kirchen- und Pfarrgüter: Eigentum und Einkünfte der Kirche Bobenhausen II

Titel: Eigentum und Einkünfte der Kirche Bobenhausen II
Laufzeit: 1858-1900

 

verz4485414
Signatur: HStAD, S 2, [ohne Signatur]
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Lissberg
Enthält: Adel:

Enthält: bestand aus Lissberg, Eckhardsborn, Schwickartshausen, Bobenhausen und...

 

verz3977454
Signatur: HStAD, E 5 C (alt), NACHWEIS
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Besoldungsholz für die Pfarrei Bobenhausen II
Laufzeit: 1693

 

verz39871
Signatur: HStAD, G 28 Schotten, F 2648
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Kontrakte Bobenhausen II: Kirchenkasten: Forderungen
Laufzeit: 1821

 

verz1503029
Signatur: HStAD, E 5 C (alt), NACHWEIS
Beschreibungsmodell: Sachakte
Titel: Abtrennung einer Pfarrei Sellnrod von der Mutterpfarrei Bobenhausen II
Laufzeit: 1629

Quellen:

 

Seite „Evangelische Kirche Bobenhausen II“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. Juni 2016, 16:38 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Evangelische_Kirche_Bobenhausen_II&oldid=154986538 (Abgerufen: 6. Januar 2017, 12:17 UTC)

 

Commons: Evangelische Kirche Bobenhausen II 

 

https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Oil_paintings_in_Evangelische_Kirche_Bobenhausen_II

 

 

 

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© Werner Roth