Zur Geschichte der Synagoge in Bobenhausen 2

                            Hoherodskopfstrasse 37 - ehem. Synagoge und "Jirreschoul"

Es ist nicht bekannt, wann die Synagoge in Bobenhausen erbaut beziehungsweise in dem noch vorhandenen Gebäude eingerichtet wurde. Vermutlich ist das Gebäude jedoch als Synagoge erstellt worden, da es nicht in der Häuserfront von West nach Ost ausgerichtet ist. Es handelt sich um ein zweigeschossiges Fachwerkbau mit Satteldach. Im Gebäude waren die Synagoge mit Frauenempore und die Wohnung des Vorbeters namens Katz und das rituelle Bad untergebracht. Der Schulraum war in einem anderem Gebäude. 
  
1858 wurde eine Synagogenordnung erstellt. Aus der Geschichte des Gebäudes ist nur bekannt, dass die jüdische Gemeinde 1904 in einem Anbau an der Rückseite Abtritte eingerichtet wollte. Auf Grund von Beschwerden des Nachbars beim Großherzoglichen Kreisamt wurde jedoch nur ein Pissoir erlaubt. Bei diesem Anlass ist offenbar ein überbauter Zugang errichtet worden, der zwischenzeitlich zu einem mickrigen Anbauteil des Giebels umgebaut wurde.
  
Auf Grund der nach 1933 schnell zurückgehenden Zahl der Gemeindeglieder konnten seit 1934 keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Dies geht aus einem Schreiben hervor, das vom Landesverband israelitischer Religionsgemeinden Hessens am 15. Juni 1938 an Rabbiner Dr. Paul Rieger in Stuttgart geschickt wurde: 

 

Landesverband israelitischer Religionsgemeinden Hessens Mainz an 
Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbiner Dr. Rieger Stuttgart. 
Betr. "Gottesdienst in Bobenhausen.

 
Sehr geehrter Herr Oberrabbiner. Ihre Anfrage beantworten wir dahin, dass seit 4 Jahren in Bobenhausen kein Gottesdienst mehr stattfindet. Die Synagoge befindet sich in baufälligem Zustand. 

 

Mit bestem Gruss & gerne zu Diensten. 
... Löwensberg. 
"Stellvertreter des Vorsitzenden". 

   

Das Synagogengebäude wurde kurz nach 1938 durch den nichtjüdischen Ortsbewohner Ferdinant Stein erworben und zu einem Wohnhaus umgebaut. Spätere Bewohner waren dessen Urenkelin Ilona Greb geb. Rühl und Erhard Greb aus Rebgeshain. Seit einem weiteren Umbau 1974  ist von der ehemaligen Synagoge nichts mehr erkennbar.

 

Bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden wurden durch Brand beschädigte, lose Teile hebräischer Gebetbücher gefunden. Der Dachboden diente offenbar, wie auch aus vielen anderen Orten bekannt, als Genisa (Speicher, Depot).  

 

Eine Mikwe (Bad für rituelle Waschungen) soll durch eine hölzerne Rohrleitung mit frischem Wasser vom  Judenbrunnen auf dem Burgloh versorgt worden sein. Bei Strassenbauarbeiten konnte man noch Reste dieser Leitung freilegen.   

 

Quellen: "Synagogen in Hessen", Altaras Thea, 1988

           "Bobenhausen", Hans Heinrich Zimmermann, 1995

 

            http://www.alemannia-judaica.de

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© Werner Roth