Sagen und Geschichten aus Bobenhausen

Wie in jeder Gemeinde, gibt es auch in unserem Bobenhausen mythische Orte, um die sich Legenden und Geschichten ranken.

Orte und Stellen, die schon vor langer Zeit eine besondere Bedeutung besaßen, gibt es im Vogelsberg in großer Zahl. Wir wollen uns hier aber auf unsere Heimatgemeine beschränken.

 

In Folge stellen wir eine Sammlung von alten Geschichten und Erzählungen aus dem Ortsgeschehen vor. Da einige Textzeilen im ortsüblichen Dialekt verfasste sind, trägt diese Sammlung letztenendes auch zum Erhalt dieser Sprachform bei.

 

Schon Johann Wolfgang von Goethe wußte: „Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an.“

Die Geschichten im Überblick:

 

Die weiße Frau im Lindenberg

In Bobenhausen hat´s 14 geschlagen!

Das Laster

Die weiße Frau auf dem "Hoa"

Die Verwechslung Das Scheckbuch
Der Werwolf in Bobenhausen Vorsicht ist besser wie Nachsicht

Die Hörner des Teufels.

Der Pfarrer und der Apfelbaum

Von Kuh- und Gäulsbauern Sturz in den Gilgbach
Der Pfarrer und der Hannes

Dampfmaschine und Hauseinsturz

Der Schinderhannes in Bobenhausen

Der „Schinnrase“

Wie man „Pannkuchen“ am besten isst!

 

 

Die weiße Frau im Lindenberg

 

Linker Hand vom Wege, wo man von Bobenhausen niedersteigt nach Höckersdorf, liegt der Lindenberg. Auf ihm hat ehedem ein Raubschloß gestanden, welches aber mit all seinen Schätzen verschwunden und für immer im dem Berg versunken ist. Eine Vertiefung darin heißt „die Mulle“ daraus geht die Schlüsselmagd des Schlosses hervor welche die verwünschten Reichtümer zu bewachen hat und gerne erlöst wäre. Sie erscheint als eine weiße Frau und geht meistens zur Herbstzeit um, kurz vor der Dämmerung.

    Ein Bobenhäuser Mann war in Höckersdorf gewesen und ging eben bei wundervollem Mondschein wieder heimwärts. Als er auf die Wiesen unter dem Lindenberg kam, sah er eine weiße Gestalt langsam ihm entgegenschweben.

Sein Herz dachte an nichts Überirdisches und er ging ganz furchtlos seinen Pfad weiter, bis die Erscheinung vor ihm stand. Die Frau sprach kein Wort, sondern hielt ihm mit der Hand ein Gebund Schlüssel entgegen, als wenn er sie nehmen sollte. 

    Da fing er an seine Augen aufzuthun und betrachtete sich die Unbekannte von unten nach oben. Füße konnte er gar nicht  gewahr werden, es hatte den Anschein, als ob sie in einem Nebel auf dem Boden stünden. Die Kleider waren wie ein Mantel um den Leib geschlagen und weiß, wie frisch gefallener Schnee. Auf dem Kopf trug sie einen großen, breiten, ebenfalls weißen Hut, der das Gesicht bedeckte.

    Als ihr der Mann nun da hinein sah, schauten ihm zwei furchtbar große und hohle Augen unverwandt an, dass ihm,  obschon er kein „Enggeherzter“ war, doch der Angstschweiß ausbrach und er mit einem Schrei und raschen Seitensprung sich über die Bach flüchtete. Als er drüben war, sah er nichts mehr; die weiße Frau war fort aber in der Luft hörte er noch eine Weile heftig wehklagen und weinen.

     Nicht lange darnach erschien dieselbe weiße Frau drei Burschen auf eben dieser Wiese. Sie ging ihnen nach und reichte flehend die Schlüssel dar. Aber die liefen Hals über Kopf nach Bobenhausen und wollten in ihrer Todesangst nichts von ihr wissen.

                         Die weiße Frau auf dem „Hoa“

 

Der „Burgloh“, der sicherlich früher einmal eine keltische Anlage war,  setzt sich bis zum „Hoa“, dem Hain fort.

Von dem „alten Schloss auf dem Hoa“ geht eine alte Sage hervor:

 

In stillen Mondnächten steigt aus einer „Mulle“ auf dem Hoa eine weiße Frau mit einem Schlüsselbund auf, den sie einsamen Wanderern entgegen hält. Flehend bittet sie die Person an, sie zu erlösen und prophezeit ihm in den unterirdischen Gewölben unermessliche Schätze.

 

Von hier aus, dem „Schloss auf dem Hain“, soll ein unterirdischer Gang bis auf den Schlossberg in Ulrichstein geführt haben.

Das Wort „Mulle“ findet in dem Buch „allgemeine deutsche Bibliothek“ von 1794 die Bedeutung: "auswerfen", "wühlen".

Der Werwolf in Bobenhausen.

 

Im alten Bobenhausen gab es einmal einen wunderschönen Frühling. Die Luft war samtig und weich und die Bäume blühten in voller Pracht.

Da gab es hinter der Kirche, am Seibertenröder Berg hinauf, viele Hecken und Bäume, wo die Nachtigallen schlugen. Allabendlich gingen viele Bobenhäuser den Berg hinauf, um dem Gesang der Nachtigallen zu lauschen.

 

Eine junge Frau, die auch gerne hingegangen wäre, war sehr traurig, weil ihr Kind alleweil schrie und ungebärdig war und das hätte sicherlich die Nachtigallen verjagd. Sie wartete bis ihr Kind eingeschlafen war, legte es in einen Buckelkorb, nahm es auf den Rücken und ging den Berg hinauf.

Wohl hatten sich schon einige der kleinen Sänger zur Ruhe begeben, dafür sangen aber die Anderen umso hingebungsvoller. Sichtlich bewegt trat die Frau den Heimweg an. Der Mond stand am Himmel, als sie am Bleichgarten vorüber ging.

 

Da hörte sie hinter sich ein schnauben und fauchen. Erschrocken drehte sie sich um, erstarrte vor Schreck und sah in den weit aufgerissenen Rachen eines Wehrwolfes. Da nahm sie ihre Beine in die Hand und rannte so schnell sie konnte an der Hecke entlang. Schon als sie den Atem des Untieres spürte, entwischte sie durch eine Lücke im Zaun. Doch da bekam sie einen gewaltigen Schlag ins Kreuz und der Korb mitsamt dem Kinde flog über die Hecke in den Garten hinein und die junge Frau stand fasernackt im Gras. Da raffte sie ihre Kleider zusammen und suchte den Korb mit dem Kinde. Wie sie nach Hause gekommen ist, konnte sie sich nicht mehr sagen.

Das schlagen der Nachtigallen hätte sie aber nie mehr hören können.

Der Pfarrer und der Apfelbaum.

 

Der alte Mertes pflanzte am helllichten Sonntagmorgen ein Bäumchen in seinen Garten. Genau zu der Zeit kam der Herr Pfarrer vorbei und sprach auch sofort den Mertes an: „ja hab ich dich dann net gelernt, du sollst den Feiertag heiligen? „Ach no joa,“ sagte der Mertes, „ich hat halt en de Woch koa Zeit Herr Poarr.“

Daraufhin der Pfarrer: „Ja glaubst du dann da däte jemals Äppel dran wachse?“

„Na, na“ meinte da der Mertes, „Äppel nit, oaver Quetsche !“

Der Pfarrer und der Hannes.

 

Früher, als der Pfarrer noch Landwirtschaft betrieb, brauchte er auch Gesinde, also Magd und Knecht. Dies waren bei unserem Pfarrer die Lisbeth und der Hannes.

Eines Abends zur Erntezeit, das Abendessen stand schon auf dem Tisch, wurde der Pfarrer noch mal weggerufen. Der Hannes hatte so einen Mordshunger und auf dem Tisch gab es Salat, Brot, Butter, Eier und Dickmilch, da hat er schon mal kräftig reingehauen.

Die Magd bekam das mit und lief eiligst dem Pfarrer hinterher. Als sie ihn erreicht hatte rief sie ganz aufgeregt:

„Herr Poarr, Herr Poarr, de Hannes fresst die ganze Ächer (Eier) !“„Ach Lissbettche !“ meinte der Pfarrer „sei äwer roig, wann der etz platzt, mir zwa hu do koa Schold!“

Der „Schinnrase“

 

In der Hoherodskopfstrasse 70, mit dem Hausnamen „Buchbennesch“,  wohnte ein Karl Buchbenner, der sich mit Gelegenheitsarbeiten durchs Leben schlug, aber auch sehr gut Geige und die „Zäiorchen“  spielen konnte. Vor ihm bewohnte ein gewisser „Nau“ in dem Haus, der den Beruf des Abdeckers ausübte.

Der Abdecker, auch „Schinder“ genannt,  war eine  Berufsbezeichnung für Personen, die in einem bestimmten Bezirk für die Beseitigung von Tierkadavern und die Tierkörperverwertung zuständig waren.

Die Bedeutung des Verbs „schinden“ erklären die Gebrüder Grimm in ihrem „Deutschen Wörterbuch“ wie folgt: „die Haut abziehen, schälen, bedrücken, aussaugen“.

Auch Heute sagt man noch nach harter Arbeit „was habe ich mich geschunden“.

 

Ende des 17. Jahrhunderts entstanden durch entsprechende Verordnungen die Abdeckerei-Privilegien. Danach mußte den Abdeckern verendetes Vieh zur Abholung angemeldet werden. Der Abdecker hatte gegen ein geringes Entgelt den Kadaver abzuholen. Die Beseitigung bestand im wesentlichen aber auch weiterhin in dem Wegschaffen, Abdecken und Vergraben oder Verfaulenlassen.

Da diese Arbeiten meist sehr Geruchsintensiv waren, geschah dies meist Außerhalb des Dorfes. Der Platz, an dem die Kadaver verarbeitet und dann auch vergraben wurden, nannte man „Schindrasen“ oder auch „Schindanger“.

Einen solchen gab es auch in Bobenhausen. Er wurde hier als „Schinnrase“ bezeichnet und befand sich hinter dem Bindewäldchen.

In Bobenhausen hat es 14 geschlagen !

 

In früher Zeit mussten die Schäfer das Stundenblasen besorgen. So soll es hier einen Burschen gegeben haben, der zwar im „Schuppenblasen“ recht gut war,  aber mit dem rechnen hat er es nicht so gehabt. So musste jedes Mal sein Frau mitgehen und ihn jedes Mal am Ärmel zupfen, sonst wäre er nicht zurecht gekommen.

So ist es einmal vorgekommen, dass ein Gewitter aufzog und die Frau sich vor Angst auch verzählt hatte.

Sie schrie laut auf und rief: „Gewirrer Hannes, Gewirrer,

etz humer dreizehn geblose.“ „Oach des mecht doach naut“ set do de Hannes, „do blose mer oas sereck“.

Und so kam es, dass es in Bobenhausen vierzehn schlug.

Die Verwechslung.

 

Die Lisbeth en die Moarich, die wollte mol of Schotte, dem Kallche for soi Konfirmation en Ozug kafe.

Do gengs dorch de Lischerwald enof en enab, üwer die Gezemer Schofwaid enab. Bis se dann unnerwegs alle Neuigkare dorchgehechelt harre, woan se tatsächlich schu en Schotte.

 

En do buchstoabierte se die Üwerschrefte o de Häuser. Die Lisbeth lus: Oberhessische Bank fili ale. „Oach“ kresch se, „woas wenn dann däi met den väile aale Bänk ?“

 

Derweil hat die Moarich schu die Dier ofgeresse von so em gruße Geschäft, hat ihr Kallche o der Hoad, en stan oawer en nem Pozelanloare denn. Den Verkäufer, der eifrig erbei kam, plärrte sie o „aich brauch en Ozug fer mein Jung“. „Ai, Ai „ stotterte dr Verkäufer „häi gebts nur Debbe en Schessen, Frache.“

„Woas will aich da met Debbe en Schessen, aich will en Ozug fer mein Jung“. „Frache, Frache“ jabste der Verkäufer, „es doas ihr Ernst?“ „Na na!“ Sät die Moarich, „doas es is Koall, der hot nur dem Ernst sein Woamst o en sei Kappe of!“

Vorsicht ist besser wie Nachsicht.

 

Die Lisbeth en die Moarich genge Sonntags immer en die Kerche. Als sie sich endlich hingeplatzt hatten, rasselte die Lisbeth en kresch of amol: „Ach du liebst Gottche, mit mir gits zu Enn“. „Ei woas hoste da ?“ saht die Moarich. „Ei denk doach nur“ antwortete die Lisbeth, „ei aich hu doch ds Gesangbuch ofs Sauerkraut gelegt, en hu des Derrfläsch met in die Kirch genomme!“

„En dou, woas host dou dann do en deim Babeier (Papier)?“ „Ei joa,“ seufzte die Moarich „ doas es meim Ale sei Gebeß !“

„Ei woas wit de met dem Gebeß en de Kirch ?“ fragte die Lisbeth, „woan ich doas net metnemme,“ saht die Moarich, „dann komm aich ham, en de aalt Woul (Bösewicht) hot ds ganz Fläsch gefresse !“

Von Kuh- und Gäulsbauern.

 

Früher unterschied man zwischen Kuhbauer und Gäulsbauer die, wie der Namen schon sagt, ihr Fuhrwerk entweder mit Kühen oder mit Pferden fortbewegten.

So geschah es, dass sich eines Tages mitten in einem Hohlweg zwei Bauern trafen, ein Kuh- und ein Gäulsbauer. Die Tiere standen sich gegenüber und keiner der Bauern wollte zurückfahren.

Da gab es wüste Schimpfkanonaden: „Dou Hungerleider, host jo nur fünf Morche Wend hinnerm Haus.“ Da pflanzte sich der Kuhbauer in seiner ganzen imposanten Größe vor ihm auf: „Foar sereck dou Sidwanst, sonst ………….. Da hüfte tatsächlich der Gäulsbauer zurück.

Als sie endlich aneinander vorbei konnten, fragte er den Kuhbauer: „Woas hättste dann gemoucht, wann aich nit redur gefahrn wär?“ „Dann wer aich halt redur gefahrn.“

Das „Siweibche“

 

In der Hoherodskopfstrasse 21, „Baste“, wohnte einmal ein Konrad Bast. Dieser sollte, der Sage nach, um Mitternacht vom dortigen „Höfebrunnen“ Wasser holen. Doch da war das „Siweibche“ mit großem Schippehut, das ihm frech und forsch ins Gesicht gespuckt hat und dann weinend weggelaufen ist. Das „Siweibche" soll hinter dem Friedhof sein Domizil gehabt haben.

Altes Wiegenlied.

 

Of de Hi, west de Klie, Futter fer mei Gäulche,

 

wann de Voatter ens Wirtshaus git, mecht die Motter e Mäulche,

 

wann se oawer Kaffi trinkt, hept se wäi en Destelfink.

Die Dampfmaschine im Vordergrund trieb mittels Riemen die hinten stehende Drechmaschine an.

Dampfmaschine und Hauseinsturz.

 

Ein böser Bubenstreich, der in einer Katastrophe endete.

Zwischen den Häusern Hoherodskopfstrasse 13 „Lisse“ und dem Haus Nummer 15, „Hoschde“ oder „Triwets“, stand in früher Zeit ein kleines Häuschen.

Nun kamen zwei Buben auf die Idee, die auf der gegenüber der Strasse stehende Dampfmaschine, die zum antreiben der Dreschmaschine diente (siehe Foto), in Gang zu bringen.

Das schafften sie auch, die riesige Dampfmaschine setzte sich aber in Bewegung, rollte über die Strasse hinweg, über den Misthaufen des Nachbargrundstücks und direkt in die Außenwand des kleinen Häuschens. Dies führte dazu, dass das ganze Haus einstürzte !

Eine wahre Geschichte aus Bobenhausen.

Wie man die „Pfannkuchen“ am besten isst!

 

Dem Fritzchen lief das Wasser im Mund zusammen, als er am Nachbarhaus vorbei ging. „Hm, hier gibt’s heute „Pannkuche“ dachte er. Er überlegte hin und her, wie er wohl was abbekommen könnte und ging dann schnurstracks ins Haus hinein.

Aber Fehlanzeige, man bot ihm nichts an. „Oach“, sagte er da, „ihr esst oawer die Pannkuche komisch.“ „Ei wäi so dann ?“ meinte die Nachbarin.

„Mir esse däi eso“, sagte das Fritzchen, ging zum Tisch, rollte die restlichen 6 Stück zusammen, biss herzhaft hinein und ging davon.

Das Laster.

 

Früher musste man von den umliegenden Gemeinden noch die weiten Wege in die Kirche nach Bobenhausen gehen. So kam es eines Tages, dass sich das Kathrinchen von Kölzenhain verspätet hatte.

 

Sie hastete laut hechelnd den Kirchenpfad hinauf  und  öffnete die Tür. Der Pfarrer war gerade dabei eine flammende Predigt gegen die Sünde zu halten. „Und wo kommt das Laster her“, rief er in die Menge hinein.

Da antwortete das Kathrinchen: „ ei vo Gelsehoa Herr Puarr!“

Das Scheckbuch.

 

Der „Bachkalls Hannes“ hat ein Konto eröffnet. Gewissenhaft wird er vom Zweigstellenleiter  über alle Fragen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs informiert. Mit stolz geschwellter Brust marschiert der Hannes nach Hause, wobei er sich immer wieder mal vom Vorhandensein seines Scheckbuches überzeugte.

„Ach, ist das schön“, dachte er, „man zieht einfach seinScheckbuch aus der tasche, schreibt einen Scheck und die Sache ist geritzt.

Nach 4 Wochen kommt er wieder mal bei der Bank vorbei. Da nimmt ihn der Mann von der Bank am Ärmel „He, Freundche, also so geht das net!“ „etz muss erscht emol Geld ebei, du host jo schon 20.000 Mark Scholde bei is !“

„Oach“ meint da treuherzig der Hannes, „doas mecht doach naut, do schreib ich dr oafach en Scheck aus!“

Die Hörner des Teufels.

 

Der Wilhelm war auf dem Jobbesmad (Jakobimarkt in Ulrichstein) gewesen und wie das eben dort so ist, trifft man alte Freunde, Schulkameraden und Verwandte.

Spät in der Nacht machte er sich wankend, er hatte tüchtig geladen, auf den Weg in Richtung Bobenhausen. Unterwegs musste er sich öfter mal ausruhen und war dabei eingeschlafen.

 

Inzwischen war ein fürchterliches Gewitter aufgezogen und es goss wie aus Kübeln. Da wurde er wach und wollte sich hochziehen, schaffte es aber zunächst nicht. Da schlug ein Blitz in einen nahen Baum ein und endlich fand er einen Halt mit beiden Händen und zog sich hoch.

Im Schein des nächsten Blitzes aber erkannte er, dass er den Deiwel bei den Hörnern hatte. Er schrie aus Leibeskräften;“ Ach liwes Gottche, sei bei mir, ich will auch jeden Sonntag in die Kirch´ gehen, ich will stiften und net mehr so garschtig sein, ja ich will.“ Da verließen ihn die Kräfte.

Es wurde schon hell, als er sich endlich aufrappelte, total durchnässt und steif gefroren. Da machte er große Augen, statt der Hörner des Deiwels hatte er die Griffe eines Pfluges in der Hand, auf den er in der Nacht gefallen war.

Die Eiche am Wallgraben

 

Vor langer Zeit hatten die Bobenhäuser Bauern in weiser Voraussicht, um die vom Berg kommenden Wasser abzufangen, einen so genannten Wallgraben gezogen. Dieser verlief von der Kirche aus in westlicher Richtung ins Unterdorf.

In der Nähe des Grabens stand eine alte mächtige Eiche genau auf der „Owann“ (Grenze) zweier Grundstücke. Ein Streit über die Besitzverhältnisse dieses Baumes dauerte schon längere Zeit, denn jeder betrachtete den Baum als sein Eigentum.

Da machte der eine der Bauern kurzen Prozess und fällte die Eiche. Der andere, ein gewisser Samuel, ging wegen der Fällung vor Gericht. Es gab einen Prozess und damit natürlich auch genug Gesprächsstoff. In den Wirtshäusern, Spinnstuben und auf den Gassen war dieser Vorfall, zumal die Beiden Kontrahenten niemand im Dorf leiden konnte,  Thema Nummer eins.

In der Spinnstube heckten derweil einige junge Burschen einen lustigen Plan aus. Sie wollen den Eichenstamm in den Wallgraben schübbeln (rollen).

Man traf sich dort in der Nacht und versuchte den Stamm in Bewegung zu setzen. Dies gestaltete sich aber als äußerst schwierig, denn das dickere Stammende rollte immer in eine andere Richtung wie das dünne.

Nach mehreren langen Nächten hatte man es endlich geschafft, die Eiche lag im Wallgraben. Da sollen die Bobenhäuser so gelacht haben, dass einem alten Bauer sogar alle Knöpfe an seinem Wams abgesprungen sind. Der alte Weishaupts Hannes, der schon im Bett lag, soll bei dem „Plums“, den der Baum beim Fall in den Graben verursachte, aus dem Bett gesprungen sein und vor Freude rief: “En alleweil leit se denn!“.

Ein Bauer, der den Stamm gekauft hatte, konnte daraus das gesamte Bauholz für eine Scheune schneiden lassen.

August Frank, der „Jerche August“, der diese Geschichte erzählt hat, wurde eines Tages von diesem Bauer angehalten und sagte: „Komm her mei Jung, trenk oan met, warscht doch ach debei.“

Sturz in den Gilgbach.

 

Johann Jost kam von der Arbeit auf der Heuzenmühle und der Gilgbach führte Hochwasser. Da fand er den Dietzehannes, der in den Bach gefallen war und rettete ihn aus den Fluten.

Als Dank vererbte er seinem Lebensretter sein Haus in der Hoherodskopfstrasse 16, genannt „Wisse Ditze“, in dem er seither mit seinen zwei Schwestern wohnte.

Foto: www.hunsrueck-museum.de/schinderhannes.htm#

Der Schinderhannes in Bobenhausen.

 

Johannes Bückler (1779–1803), Spitzname Schinderhannes, deutscher Räuber, dem heute 211 Straftaten nachgewiesen wird

 

Der Schinderhannes, mit richtigem Namen Johannes Bückler, war ein deutscher Räuber, der während der Jahre 1796 und 1802 gemeinsam mit seiner Bande über 130 Straftaten verübte, die von Viehdiebstahl bis Mord reichten.

In unserem Bobenhausen soll sich folgende Geschichte zugetragen haben:

 

Die Ortsbürgerin Johanna Lipp erzählte im stolzen Alter von 107 Jahren (1995) des Öfteren eine Geschichte über den Aufenthalt des Schinderhannes in Bobenhausen.

Hier soll er mit seiner Räuberbande in das Haus einer jüdischen Familie eingedrungen sein. Es war das „Dokteschhaus“ in der heutigen Hoherodskopfstrasse 43.  

Dort habe die Bande die Bewohner gefesselt und ausgeraubt. Ein kleines Mädchen (Schixchen) soll unter das Bett gekrochen sein, worauf die Räuber ihren Hauptmann Hannes fragten: “Sollen  wir auch das Schixchen fesseln?“ Da antwortete ihnen der Hannes:“ Ach was, lasst das Schixchen in Ruh“.

 

Dass sich die Bande zu dieser Zeit hier in der Nähe aufhielt, belegt ein Vorfall in Bad Camberg im Taunus (früher Würges) wo er das dortige Postamt überfallen hat. 1802 wurde er gefasst und nach Frankfurt gebracht, von dort aus kam er nach Mainz, wo er am 21.11.1803 mit der Guillotine hingerichtet wurde.

Aus Erzählungen, die bereits zu seinen Lebzeiten über ihn und seine Bande kursierten, ist bekannt, dass er eine starke Abneigung gegenüber den Juden hatte.

 

Dies alles würde doch zu der Geschichte passen!

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© Werner Roth